Es ist 0:30 Uhr in der früh. Obwohl ich sehr müde vor noch nicht all zu langer Zeit ins Bett gegangen bin, werde ich schon wieder wach. Ein sehr unangenehmer Hustenreiz sowie Schmerzen in den Oberarmen lassen mich erwachen.
Was ist das denn?
So einen Hustenreiz hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Die leichten aber doch aufdringlichen Schmerzen in den Oberarmen sind auch nicht gerade angenehm. Nach einiger Zeit entschließe ich eine Aspirin Plus C einzunehmen. Der Husten ist nach 20 Minuten endlich abgeklungen. Die Schmerzen in den Oberarmen allerdings nicht. Irgendwie habe ich ein ungutes Gefühl, – aber sonst habe ich keine Symptome. Als die Schmerztablette allerdings keine Wirkung zeigt, entschließe ich mich doch, den Notruf zu wählen.
112 – Rettungsleitstelle
Der freundlich Herr am anderen Ende der Telefonleitung fragt nach einigen Symptomen, – die ich alle samt nicht habe, und empfiehlt mir eine Schmerztablette einzunehmen. – Eine extreme und sehr gefährliche Fehleinschätzung der Lage, wie sich allerdings erst ganz viele Stunden und Herzmuskelzellen später herausstellen wird.
Nun rufe ich den hausärztlichen Notdienst an. Der Arzt am anderen Ende fragt ebenfalls die typischen Symptome ab, und empfiehlt mir ebenfalls die Einnahme eines Schmerzmedikaments. Ich nehme also noch zwei Paracetamol 500 mg Tabletten und lege mich gegen 2:00 Uhr wieder ins Bett. Das ich gegen 6:00 Uhr wieder erwache kann locker als Glücksfall bezeichnet werden. Die Schmerzsituation hat sich inzwischen etwas verändert. Schmerzen sind in der Brustwirbelsäule sowie dem rechten Oberarm wahrzunehmen. Etwa ein Bandscheibenvorfall in der BWS?
Also Aufbruch zur orthopädischen Notfallambulanz des Bathildiskrankenhaus in Bad Pyrmont. Dort komme ich gegen 9:00 Uhr an. Wenig los und ich bin recht schnell an der Reihe. Es wird geröntgt, – ohne Befund. Neben den anderen Untersuchungen steht auch noch ein MRT an. Auch das ohne Befund. Zu guter Letzt wird noch ein EKG durchgeführt, – und plötzlich kommt allgemeine Hektik auf. Schnell noch ein wenig Blut entnehmen um die Enzyme zu kontrollieren, – und schon liege ich im Rettungswagen mit Sauerstoffmaske und werde mit Blaulicht und Martinshorn ins Kreiskrankenhaus nach Hameln als Notfallpatient gebracht.
Verdacht auf Herzinfarkt!
Der Hammer. Ich höre die Worte, – doch sie dringen irgendwie nicht bis zu meinem Verstand durch. Nach meiner Ankunft in Hameln sofort auf die Intensivstation und danach steht die Herzkatheter-Untersuchung an. Der Kardiologe ist hypernervös und macht auf mich nicht wirklich einen souveränen Eindruck. Nach etlichen Anläufen kommt er der eigentlichen Aufgabe leider keinen Schritt weiter. Ganz langsam bekomme ich Beklemmungen und ganz ordentliche Rückenschmerzen. Ich habe heute bereits so viele andere Untersuchungen hinter mich gebracht, bei denen ich ganz still liegen musste, dass ich jetzt am Ende bin.
Nach dem ich das dem Arzt gesagt habe erhalte ich eine Sedierung. Ganz langsam drifte ich immer weiter von den Geschehnissen weg. Im aller letzten Moment vor der Bewußtlosigkeit höre ich die Worte: Hubschrauber, Hubschrauber, Hubschrauber.
Danach kann ich mich an nichts mehr erinnern.
Das nächste an das ich eine Art von Halberinnerung habe, ist die Entfernung des Beatmungsschlauch. Als ich wieder richtig erwache liege ich in einem mir unbekannten Krankenhaus. Ein superfreundlicher Pfleger gibt mir Mineralwasser sowie Tee zu trinken.
Wo bin ich?
Irgendwie benötige ich noch einige Zeit bis ich wieder einigermaßen klar im Kopf bin. Dann aber meine Frage, – wo bin ich hier? Der Pfleger erwidert "Bad Rothenfelde".
Vor ganz vielen Jahren hatte ich einen älteren Arbeitskollegen mit Herzproblemen, der als Notfall ebenfalls in Bad Rothenfelde operiert wurde, als mir das als Erinnerung durch den Kopf schoß, waren alle meine Fragen schlagartig beantwortet. Da lag ich also nach einer Herz-Operation mit zwei Bypässen. – Ich hatte überlebt. Ich kann in Zukunft einen weiteren Geburtstag feiern. Es ist der 5. Juni 2010!


























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