Heute ist ein ganz besonderer Tag, – und das aus verschiedener Sicht. Zu aller erst natürlich habe ich genau heute die Chance hoffentlich etwas langfristiger meine teilweise sehr starken Rückenschmerzen los zu werden.
Das wäre das wertvollste Geschenk
Seit sechs, in Zahlen “6” Jahren sind sie bis auf wenige, viel zu geringe Ausnahmen allgegenwärtig. Doch heute soll nun endlich nach Findung der Ursache, und mit dieser Behandlungsmethode der Schmerz für einen längeren Zeitraum, vielleicht für zwei Jahre, ausgeschaltet werden.
Was habe ich nicht alles ausprobiert, welche vielen Behandlungen der “Spezialisten” über die Bundesrepublik versteut habe ich auf mich genommen. Wie viel Geld habe ich für Medikamente und therapeutische Anwendungen ausgegeben. Spezialisten behandelten zum Teil nur noch auf Privatrechnung. Bitte sehr, – auch das habe ich versucht. Alles leider vergeblich. Und dazu die vielen Nebenwirkungen von nicht wirklich hilfreichen Schmerzmitteln.
Heute muss es klappen
6:50 Uhr beginnt für uns in Zimmer 3 der Tag. Unser Senior kann heute nach Hause. Ich gönne es ihm. Mein Bettnachbar kommt heute Morgen von der Aufwachstation zurück. – Ihm wird es sicherlich noch nicht sehr gut gehen. Für mich steht heute die Verödung der Nerven an den Facettengelenken an. Bald ist es soweit.
Nach dem Frühstück und der Visite heißt es wieder warten. Warten auf den Termin im Operationssaal. Dann geht alles blitzschnell. Es ist 9:20 Uhr als die Schwester das Zimmer betritt. Ich lege das Fachbuch aus der Hand und ziehe das OP-Hemd an, und schon geht es den Stationsgang herunter. Im OP angekommen wird es nun aber Ernst. Die Elektrode, mit deren Hilfe die Nerven an den Facettengelenk(en) verödet werden, ist natürlich deutlich dicker als die Injektionsnadel beim gestrigen Test. Oberarzt Dr. C. betäubt die Haut ein wenig. So spüre ich nicht all zu viel vom Einstich und der Positionierung der Elektrode. Nun wird ein Teststrom eingeleitet. Damit wird vermieden, dass andere Nerven die dort ganz in der Nähe liegen, in Mitleidenschaft gezogen werden. Auf der linken Seite ist alles in Ordnung und nun wird es Ernst. Für 12 Sekunden fließt der Strom.
50% geschafft
Nun wiederholt sich dieser Vorgang auf der rechten Seite. Als der Teststrom geschickt wird zieht es schmerzhaft im rechten Bein. Also noch ein wenig die Position verändern und noch einmal. – Jetzt ist alles okay, und auch auf der Seite fließt nun für 12 Sekunden der therapeutische Strom.
Geschafft
Ich hatte mir den Vorgang schmerzhafter vorgestellt. Nun geht es also wieder zurück auf Station. Als ich das Zimmer erreiche ist mein Bettnachbar gerade ebenfalls wieder zurück. 24 Stunden nach der Operation ist er noch ein wenig mies drauf. Ich bleibe noch 30 Minuten im Bett liegen. Danach ziehe ich das OP-Hemd aus und es geht ab in etwas “Sportlicheres”. Die Bewegungen schmerzen nicht, kein Taubheitsgefühl in den Beinen scheint alles okay zu sein. Ich schnappe mir das Handy und will gerade zum Haupteingang aufbrechen da passiert es.
Die Zimmertür wird geöffnet
Die Zimmertür wird geöffnet, eine Schwester schaut ganz vorsichtig in das Zimmer 3 der Station 1. Sie nickt ihren Kolleginnen zu, und nun stehen drei Stationsschwestern vor mir und singen für mich. Ja es ist ein ganz besonderer Tag heute. Ich hatte es ja bereits erwähnt. Heute ist nämlich auch, – mein Geburtstag. Auf einem Essentablett haben sie ein Teelicht platziert, eine Silvesterluftschlange hübsch dekoriert, eine Manderine mit einem kleinen Metallstab und Stern versehen und natürlich für mich gesungen. – Nette Geste.
Nach der Übermittlung der besten Wünsche geht es nun aber für mich zu Fuß ein wenig los. Ich gehe Richtung Haupteingang. Es ist ein wenig komisches Gefühl im Bereich der LWS vorhanden. Und irgendwie ist mein Gang auch nicht so ganz normal, aber es geht und ich verspüre keine Schmerzen. Eine ehemalige Schülerin von mir hat ebenfalls an meinen Geburtstag gedacht und schon eine SMS gesendet. Die Sonne lacht an diesem Mittwoch Morgen. Ich gehe noch etwa 30 Minuten über den Parkplatz und das Klinikgelände spazieren.
Auf dem Rückweg zur Station läuft mir Chefarzt Dr. M. über den Weg und erkundigt sich natürlich sofort über meinen Zustand. Zurück auf dem Zimmer geht die Routine wieder los. Mittagessen ist der nächste Höhepunkt im Tagesablauf. Kurz danach schaut Oberarzt Dr. C. ebenfalls kurz bei mir rein. Er hat schon “vom Chef” schon gehört, dass es gut gehen soll. – Ich kann das nur bejahen!
Koleteralschaden
Leider wird es so nicht bleiben. Die Einstiche der Elektroden werden Schmerzen verursachen, und die Stimulation der Nerven mit Strom hat ebenfalls schmerzhaften Schäden verursacht. Sie werden kommen diese Schmerzen. Doch sie werden auch wieder vergehen. Hoffentlich.
Gegen Abend ruft meine Lebensgefährtin an. Natürlich die besten Wünsche zum Geburtstag. Nach ein wenig Fernsehen geht auch dieser Tag langsam zu Ende. Für mich persönlich ein sehr schöner Tag, – und dazu der beste Geburtstag in meinem Leben. Hoffentlich habe ich an diesem Geburtstagsgeschenk möglichst lange Freude.


























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